Lassen Sie Ihre Stimme hören
Über den sozialen Dialog wird oft abstrakt gesprochen. Alain Martin spricht darüber aus der Praxis. Als Präsident der Personaldelegation bei Cardif Lux Vie S.A., heute zu 100 % für sein Mandat freigestellt, beschreibt er seine Aufgabe schlicht: präsent sein, zuhören, begleiten und die Mitarbeiter im Alltag vertreten.
2001 kam Alain Martin nach einer ersten beruflichen Erfahrung in Frankreich nach Luxemburg und trat 2012 bei Cardif ein. Damals deutete noch nichts darauf hin, dass er einmal Delegierter werden würde. Es war eine menschlich schwierige Phase, die ihn zum Engagement bewegte. Er wollte handeln, damit andere bestimmte Situationen am Arbeitsplatz nicht allein durchstehen müssen. „Ich habe selbst etwas Schwieriges auf menschlicher Ebene erlebt, und ich wollte nicht, dass andere so etwas durchmachen müssen."
2014 wurde er Delegierter, heute übt er sein drittes Mandat aus, das zweite als freigestellter Präsident. In der Zwischenzeit schloss er sich ALEBA an. Diese Wahl, sagt er, ergab sich ganz von selbst. Er fand dort einen Ansatz, der näher an der Basis, unpolitisch und vor allem menschlicher war. „Ich habe eine Gewerkschaft gefunden, die den Menschen stärker in den Mittelpunkt stellt", fasst er zusammen. Für ihn gilt: Einmal gewählt, muss ein Vorsitzender des Betriebsrates für alle Mitarbeiter da sein — ohne Unterschied.
Das ist es auch, was das Vertrauen erklärt, das sein Team bei Cardif Lux Vie im Laufe der Sozialwahlen aufbauen konnte. In den Augen der Mitarbeiter zählt vor allem die Person — ihre Präsenz, ihr Zuhören, ihre Fähigkeit zu handeln. „Die Leute wählen die Person, die zuhört, die empathisch ist, die verfügbar ist und die sich für die Mitarbeiter einsetzt", bringt er es auf den Punkt. In dieser Logik beruht gewerkschaftliche Arbeit nicht nur auf einem Etikett. Sie baut sich über die Zeit auf — durch Beständigkeit und Ergebnisse.
Seine Methode ist klar: die Mitarbeiter mit Ernsthaftigkeit verteidigen, ohne aus der Konfrontation einen Reflex zu machen. Alain Martin spricht von geduldiger Arbeit, die auf Verhandlung setzt, um konkrete Fortschritte zu erzielen. Dazu zählen die Aufwertung der Essensgutscheine von 10,80 Euro auf 12,90 Euro, dann auf 15 Euro, sowie die Erhöhung des Fahrtkostenzuschusses von 35 auf 50 Euro. Er erwähnt auch die Einrichtung von Hub-Standorten, die es manchen Mitarbeitern — besonders Grenzgängern — ermöglichen, ihre Pendelwege zu verkürzen und ihre Lebensqualität am Arbeitsplatz zu verbessern. „Wir versuchen immer, ihnen ein bisschen mehr zu bieten", sagt er.
Doch über die kollektiven Dossiers hinaus ist es die menschliche Dimension des Mandats, die in seinen Worten am häufigsten durchklingt. Hinter den Sitzungen und Verhandlungen stehen Einzelschicksale: Mitarbeiter in Schwierigkeiten, Phasen der Erschöpfung, Momente, in denen es gilt, zuzuhören, zu stützen, Orientierung zu geben — manchmal einfach da zu sein. In dieser Begleitung findet er den tiefsten Sinn seines Engagements.
„Das Schönste ist, sich nützlich zu fühlen."
Sein Zeugnis sagt auch etwas Grundsätzliches über die Rolle einer Gewerkschaft heute aus. Viele Arbeitnehmer, so stellt er fest, erkennen ihren Wert erst in dem Moment, in dem ein Problem auftaucht. Dabei sollte eine Mitgliedschaft nicht nur als Rückhalt im Notfall gedacht werden, sondern auch als Unterstützung eines kollektiven Rahmens, der alle Beschäftigten schützt.
Wenn man in einem Wort zusammenfassen müsste, was er bei ALEBA gefunden hat, würde Alain Martin ohne Zögern dieses wählen: Menschlichkeit. Es ist dieses Wort, das seinen Weg, seine Arbeitsweise und seine Vision des sozialen Dialogs bei Cardif Lux Vie durchzieht.