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Manchmal sind es gerade die unvorhergesehenen Momente, die den schönsten Lebenswegen ihre Form geben. Als Daniel Wark zum ersten Mal bei den Sozialwahlen antrat, wollte er eigentlich nur seine Kollegen unterstützen, indem er eine Liste vervollständigte. Wider Erwarten wurde er zum Vorsitzenden der ALEBA-Delegation bei POST Telecom gewählt und musste lernen, eine Belegschaft von heute fast 900 Personen zu betreuen, anzuhören und zu vertreten. Mittlerweile ist er in seiner dritten Amtszeit sein Werdegang zeigt, dass gewerkschaftliche Vertretung vor allem eine zutiefst menschliche Aufgabe ist – eine aufmerksame, verlässliche Präsenz, die sich dem schnellen Wandel des Unternehmens anzupassen weiß.
Daniels Karriere begann in der IT-Branche, zunächst bei Telindus (später von Proximus übernommen), dann bei CMD, einem privaten Unternehmen, das das LUXGSM-Telekommunikationsnetz von P&T Luxembourg nutzte. Mit der Zeit wurde CMD von POST übernommen und schließlich zu POST Telecom. „Als ich bei CMD anfing, waren wir 19. Heute sind wir fast 900", betont er und beschreibt damit das enorme Wachstum, das er aus nächster Nähe miterlebt hat. Sein gewerkschaftliches Engagement wiederum entstand aus einer konkreten Frustration im Jahr 2013: Die damalige Delegation, bestehend aus anderen großen Gewerkschaften, hatte einen Kollektivvertrag im Alleingang ausgehandelt. „Sie haben etwas unterschrieben, ohne dass jemand davon wusste, und das sehr schnell. Und es war damals kein besonders guter Vertrag. Das hat uns nicht gefallen", erklärt er. Entschlossen, mehr Transparenz zu schaffen, beschlossen Daniel und seine Kollegen, eine neutrale und unabhängige Liste zu gründen. Sie brauchten juristische Unterstützung, wollten dabei aber die politischen Bindungen vermeiden, die bei anderen Gewerkschaften üblich waren. Über berufliche Kontakte wandten sie sich schließlich an ALEBA, die sich gerade über den Finanzsektor hinaus öffnen wollte. Seitdem hat diese Partnerschaft nie nachgelassen.
Unter Daniels Vorsitz hat die POST Telecom-Delegation mit Unterstützung von ALEBA bedeutende Erfolge für die Belegschaft erzielt und dabei oft die Herausforderung gemeistert, unterschiedliche Unternehmenskulturen und bestehende Verträge aus der Vergangenheit zusammenzuführen. Bei den jüngsten Fusionen mit Elgon und EBRC war die Aufgabe besonders anspruchsvoll, insbesondere was die Harmonisierung der Arbeitszeiten und des Urlaubsanspruchs betraf. „Früher hatten die Mitarbeitenden bei ihrer Einstellung Anspruch auf 27 Urlaubstage, die nach mehr als 25 Dienstjahren auf maximal 30 Tage ansteigen konnten", erläutert Daniel. „Nach der letzten Fusion ist es uns gelungen, einen Basisanspruch von 32 Urlaubstagen auszuhandeln, der gegen Ende der Karriere auf bis zu 37 Tage steigen kann. Das ist ein großer Vorteil." Auch die Flexibilität der Gleitzeit konnte die Delegation erfolgreich erhalten. Eine weitere wichtige Errungenschaft ist die Weiterentwicklung der Gehaltstabelle: Während Mitarbeitende früher nur alle fünf Jahre aufsteigen konnten und die letzte Stufe erst nach 21 Dienstjahren erreichten, erfolgt der Aufstieg nun alle zwei Jahre, und die Obergrenze wurde auf 30 Dienstjahre angehoben – das macht die Karrierewege deutlich attraktiver. Hinzu kommen ein garantiertes halbes 13. Monatsgehalt, ein leistungsbezogener Bonus, verbesserte Konditionen beim Leasing von Firmenwagen sowie ein erworbenes Recht auf 12 Stunden bezahlte Arztbesuche pro Jahr für jeden Mitarbeitenden.
Trotz dieser beeindruckenden strukturellen Fortschritte findet Daniel die größte Erfüllung in der individuellen Begleitung im Alltag. „Am meisten freut es mich, Menschen zu helfen", erzählt er. „Sei es, etwas für sie auszuhandeln, oder einfach moralische Unterstützung vor einem schwierigen Gespräch zu bieten. Wenn ich dazu beitragen kann, dass sich Menschen besser fühlen, ist das mein wichtigstes Ziel." Dieser menschliche Ansatz ist in einem Unternehmen, das sich ständig weiterentwickelt, von zentraler Bedeutung – Fusionen bringen unvermeidlich Umstrukturierungen, veränderte Stellenbeschreibungen und manchmal auch Entlassungen mit sich. In solchen angespannten Momenten macht die Anwesenheit eines engagierten Gewerkschaftsvertreters den entscheidenden Unterschied. „Ich sage den Leuten immer: Es ist gut, gewerkschaftlich organisiert zu sein, und im besten Fall braucht man es nie. Aber wenn es um rechtliche Fragen geht, um ungerechtfertigte Kündigungen oder Mobbing, dann braucht man diese Unterstützung. Zu wissen, dass man nicht allein ist, gibt einem das Selbstvertrauen zurück."
Für Daniel war die Entscheidung, sich ALEBA anzuschließen, wohlüberlegt und beruht auf einem grundlegenden Wert: Unabhängigkeit. „Für mich war ALEBA die naheliegende Wahl, weil es die einzige politisch neutrale Gewerkschaft ist", bekräftigt er. „Diese Neutralität bringt klare Vorteile mit sich. Wir werden nicht von Politikern unterstützt, und wir vermischen Politik nicht mit dem, was im Unternehmen passiert." Er schätzt zudem den respektvollen Ansatz von ALEBA bei der Mitgliedergewinnung, der eher auf Überzeugung durch Vorbild als auf Druck setzt. Während POST Telecom weiter wächst – mit einer zunehmend internationalen Belegschaft und im Hinblick auf technologische Herausforderungen wie künstliche Intelligenz, die Daniel eher als Chance zur Integration denn als Bedrohung sieht – bleibt seine Mission klar. Mit den nächsten Sozialwahlen vor Augen ist es das Ziel, die Rechte der Beschäftigten weiterhin zu schützen und neuen Kolleginnen und Kollegen die Werte von ALEBA näherzubringen. Wie Daniel überzeugt abschließend feststellt: „Ohne Gewerkschaften wären wir heute nicht da, wo wir sind. Je stärker eine Gewerkschaft ist, je mehr Mitglieder sie hat, desto mehr Macht hat sie auch, etwas zu verändern. So einfach ist das."